„Stille und Substanz“
Mit meiner Arbeit „Stille und Substanz“ bewege ich mich weg vom erzählerischen Überfluss des Phantastischen Realismus hin zu einem minimalistischen Surrealismus. Die handwerkliche Präzision der klassischen Ölmalerei, die ich bei Arik Brauer gelernt habe, ist dafür mein Fundament – allerdings nutze ich sie heute nicht mehr, um Details zu häufen, sondern um offene, atmende Räume zu schaffen. Man könnte sagen: Ich habe jahrzehntelang im Detail geschwelgt, um nun die Reife zu besitzen, das Unwichtige wegzulassen.
Die visuelle Struktur des Bildes folgt einer klaren, fast nüchternen Aufteilung: Unten die Erde als Urgestein, oben der Himmel für unsere Träume, die Metaphysik – und darunter der code.
Während die Basis im unteren Bereich die zeichnerische Substanz und die nötige Dichte liefert, hält der obere Bereich die visuelle Zurückhaltung konsequent ein. Dazwischen, im Zentrum, bündelt sich die Farbenergie. Es ist die Übersetzung eines Gefühls, das wir alle kennen: Wenn aus dem Zustand des „Gut-Genug-Seins“ plötzlich eine ganz bodenständige, unerschütterliche Kraft entsteht.
Der eigentliche Hauptdarsteller dieses Werks ist jedoch der freie, weiß belassene Raum. Dieser Negative Space ist kein Versehen und kein weißer Fleck auf der Landkarte meiner Inspiration – er ist meditative Entlastung. Der bewusste Verzicht auf einen flächendeckenden Hintergrund lenkt den Fokus isoliert auf die Essenz des Motivs.
„Stille und Substanz“ ist mein unaufgeregter Kommentar zu einer Gegenwart, die oft zu laut und reizüberflutet ist. Das Bild feiert das Unvollkommene und zeigt, dass die größten Geschichten selten die sind, bei denen man am lautesten schreit. Um glücklich zu sein, braucht es schließlich nicht viel. Mehr als diese Essenz ist für eine gute Geschichte nicht nötig.


